Wie reagiert unser Gehirn auf soziale Ablehnung?


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Wir nutzen ständig Feedback von Anderen über unsere Person, um unsere Erwartungen in sozialen Beziehungen anzupassen. Die meisten Menschen sind hierbei eher optimistisch und erwarten, von anderen akzeptiert und gemocht zu werden. Personen mit hoher Zurückweisungssensitivität neigen jedoch dazu, in sozialen Beziehungen Ablehnung zu erwarten. Welche kognitiven und neuronalen Mechanismen diesen unterschiedlichen Reaktionen auf soziales Feedback zugrunde liegen, ist jedoch noch ungeklärt.

Ein Team von Forscherinnen (Pauline Petereit, Sarah Jessen, Tatiana Goregliad Fjaellingsdal und Ulrike Krämer) hat hierzu eine neue Studie im Journal of Cognitive Neuroscience veröffentlicht. Die Studie zeigte, dass die individuelle Zurückweisungssensitivität, aber auch die situative Häufigkeit von ablehnendem Feedback beeinflussen, wie Personen von diesem Feedback lernen: Personen mit niedriger Zurückweisungssensitivität blieben optimistisch, selbst wenn sie viel ablehnendes Feedback erhielten, während Personen mit hoher Zurückweisungssensitivität von ablehnendem und akzeptierendem Feedback gleichermaßen lernten. Im Elektroenzephalogramm (EEG) zeigte sich, dass erhöhte frontale Theta-Aktivität (4-8 Hz) Erwartungsveränderungen bezüglich des sozialen Feedbacks vorhersagen konnte. Allerdings zeigten sich keine Unterschiede in der Theta-Aktivität zwischen Personen mit hoher und niedriger Zurückweisungssensitivität, so dass die interindividuellen Verhaltensunterschiede mit anderen neuralen Mechanismen zusammenhängen müssen.

Pauline Petereit, Sarah Jessen, Tatiana Goregliad Fjaellingsdal, Ulrike M. Krämer (2022) Social Context and Rejection Expectations Modulate Neural and Behavioral Responses to Social Feedback. Journal of Cognitive Neuroscience 34(5): 823–845. doi.org/10.1162/jocn_a_01829