Signale aus dem Fettgewebe bestimmen den Hungerrhythmus

Lübecker Projekt zeigt: Das Fettgewebshormon Adiponectin steuert den Tagesrhythmus der Nahrungsaufnahme über die Einstellung zirkadianer Uhren im Hypothalamus.

Normalerweise haben wir tagsüber Appetit und können die Nachtphase frei von Hungerattacken schlafend – und damit fastend – gut überstehen. Diese Tagesrhythmik wird von molekularen, sog. zirkadianen Uhren im Gehirn gesteuert, die mit dem Tag-Nacht-Rhythmus synchron laufen. Werden diese Uhren gestört, z.B. bei Nachtschichtarbeitern oder auch durch sehr fettreiche Ernährung, verschieben sich die Appetit- und Essensphasen in die Nacht hinein, was wiederum zu einem erhöhten Risiko für Stoffwechsel- und Herzkreislauferkrankungen führt.

Mithilfe von Mausexperimenten konnten Lübecker Forscher um Anthony Tsang, Christiane Koch und Henrik Oster von Institut für Neurobiologie am CBBM zeigen, wie diese Rhythmen von Energieaufnahme und Uhrenfunktion miteinander kommunizieren. Im weißen Fettgewebe produzieren die Mäuse – wie auch Menschen – tagesrhythmisch das Hormon Adiponectin. Dieses bewirkt im Hypothalamus die Einstellung molekularer Uhren, die für die Appetitregulation verantwortlich sind. Ist man zu fett oder zur falschen Zeit, wird der Adiponectin-Rhythmus gestört – und damit der Rhythmus der Nahrungsaufnahme. Stellt man nun den Adiponectin-Rhythmus künstlich wieder her, normalisiert siche der Essensrhythmus und die Tiere nehmen trotz fettreicher Nahrung wieder ab. 

"Vergleichbare Studien am Menschen stehen natürlich noch aus. Unsere Ergebnisse schlagen aber vor, dass die Adiponectin-Chronotherapie ein Ansatz sein könnte, um die Appetitrhythmik – und damit die Gewichtsregulation – z.B. bei Adipositas-Patienten günstig zu beeinflussen", sagt Prof. Oster, der Leiter der Studie.

Das Projekt wurde finanziell von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Volkswagen-Stiftung unterstützt. Beteiligt waren zusätzlich Kollegen vom Institut für Diabetes und Stoffwechsel.

Publikation:  An adipokine feedback regulating diurnal food intake rhythms in mice. Tsang AH, Koch CE, Kiehn JT, Schmidt CX, Oster H.Elife. 2020 Jul 9;9:e55388. doi: 10.7554/eLife.55388. Online ahead of print.

Kontakt: Prof. Dr. Henrik Oster / henrik.oster(at)uni-luebeck.dehttps://www.neurobio.uni-luebeck.de/