Abends steigt der Heißhunger auf Süßes

Molekulare Uhren im Belohnungszentrum des Gehirns steuern unseren Appetit auf Süßes im Tagesrhyhtmus.

Wer kennt das nicht: Nach einem reichhaltigen Abendessen im Restaurant kommt der Kellner am Tisch vorbei und schlägt einen Blick in die Dessert-Karte vor. Obwohl man eigentlich schon satt ist, lässt einen die Aussicht auf den leckeren Nachtisch doch wieder sündigen. Ein hoher Belohnungswert des Essens lässt uns so regelmäßig mehr Kalorien aufnehmen, als unser Körper wirklich benötigt. Man unterscheidet hier zwischen homöostatischem (= durch den reinen Energiebedarf bedingten) und hedonischem (= lustgetriebenen) Appetit. Letzterer scheint besonders in den Stunden vor dem Zubettgehen besonders ausgeprägt.

Mithilfe von Mausexperimenten konnten Lübecker Forscher um Christiane Koch, Kimberly Begemann und Henrik Oster von Institut für Neurobiologie am CBBM zeigen, dass diese beiden unterschiedlichen Appetit-Arten ihre jeweils eigene Tagesrhythmik zeigen, welche wiederum von eigenen molekularen zirkadianen Uhren im Hypothalamus (Homöostase) sowie im sog. limbischen System (Hedonik)  gesteuert werden. Ein wichtiger Botenstoff für die Hedonik ist dabei das Dopamin. Es sorgt dafür, dass die Tiere insbesondere in der frühen Ruhephase für Snacks wie Schokolade empfänglich sind und sich so sprichwörtlich daran überfressen. Manipuliert man die Uhrenfunktion in den Dopamin-Zellen, bleibt dieser Effekt aus und die Tiere werden "schokoresistent".   

"Vergleichbare Studien am Menschen sind noch nicht abgeschlossen; die Ergebnisse deuten aber in dieselbe Richtung. Unsere Daten zeigen erstmals einen Mechanismus, über den homöostatischer und hedonischer Appetitrhythmus zeitlich und räumlich voneinander getrennt reguliert werden können," sagen Prof. Oster und Prof. Schmid vom Institut für Endokrinologie und Diabetes, die Leiter der Studie.

Das Projekt wurde finanziell von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 134 "Mechanisms of Appetite Regulation" und der Volkswagen-Stiftung unterstützt. Beteiligt waren zudem Kollegen vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln.

Publikation: Circadian regulation of hedonic appetite in mice by clocks in dopaminergic neurons of the VTA. Koch CE, Begemann K, Kiehn JT, Griewahn L, Mauer J, M E Hess, Moser A, Schmid SM, Brüning JC, Oster H. Nat Commun. 2020 Jun 17;11(1):3071. doi: 10.1038/s41467-020-16882-6.

Kontakt: Prof. Dr. Henrik Oster / henrik.oster(at)uni-luebeck.dewww.neurobio.uni-luebeck.de/